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11 Dinge, die man als UnternehmerIn vom Mountainbiken lernen kann

Ich war letztes Woche mal wieder beim Mountainbiken, ein Sport, der mir sehr viel gibt, weil er nicht nur Spaß macht, sondern weil man sich so auf den Weg konzentrieren muss, dass der Kopf und alles Denken, was da sonst immer so stattfindet, komplett abgeschalten ist. Das ist fast schon ein meditativer Zustand für mich.

 

Wir waren mit Freunden in Saalbach-Hinterglemm, ein wahres MTB Mekka im Sommer. Der Gondelbetrieb und Sommerbetrieb der Hütten und Unterkünfte dort ist perfekt auf Mountainbiker abgestimmt und man kann dort – umgeben von wunderbarer Landschaft – den ganzen Tag auf dem Bike verbringen, mal mit dieser Bahn hochfahren und mal mit der anderen oder auch mal selber hochkurbeln, dann mal diesen und mal jenen Trail abfahren. Alle Trails sind in einem super Zustand und es gibt sie dort in allen Schwierigkeitsgraden und Längen. Richtig gut!

 

Als ich am ersten Tag schon eine Weile unterwegs war und mal wieder über meinen Blog und das Unternehmertum nachdachte, fielen mir plötzlich sehr viele Parallelen auf und je länger ich darüber nachdachte, desto sicher war ich mir dann auch, dass das wohl ein schöner Artikel werden würde 😀

 

Das ist also ein Artikel übers Mountainbiken UND Unternehmertum.

Los geht’s..

 

Wir starten ganz unten im Tal und fahren die ersten Kilometer durchs Dorf und dann über einen Feldweg bis wir schließlich am Fuß des Berges angelangt sind, den wir uns nun die nächsten Stunden und in Serpentinen nach oben kämpfen.

 

Am Anfang erst mal reinkommen

Die erste Stunde ist für mich immer die schwierigste, weil sich mein ganzer Körper erstmal an die Anstrengung gewöhnen muss. Mein Puls geht hoch, mein Herz schlägt schneller und mein gefühlter Sauerstoffbedarf steigt auch explosionsartig an. Ich weiß noch nicht richtig, wie schnell und in welchem Gang ich am besten fahren sollte, damit ich diese Anstrengung auch noch die nächsten Stunden durchhalte.

Wenn ich in einer Gruppe fahre, kommt noch irgendwie mentaler Stress dazu, weil ich nicht hinterherhängen möchte und nicht das Gefühl haben möchte, dass ich die Gruppe aufhalte. Also kann es leicht passieren, dass ich mich am Anfang überfordere, was sich natürlich später rächt, weil ich irgendwann keine Kraft mehr habe.

Für mich steht und fällt mit dieser ersten Stunde meist der Erfolg der ganzen Tour und das wichtigste, was ich mir immer wieder bewusst machen muss, ist: Es ist meine Tour, die ich da gerade starte!

 

Analogie zum Unternehmer:

Jede Sache, die man neu startet, ist erstmal ungewohnt und erfordert ziemlich sicher Aktivitäten außerhalb der Komfortzone, die man bis jetzt so hatte. Man sollte sich auf jeden Fall Zeit geben, da rein zu wachsen und alles Neue genießen, was gerade passiert!
Du bist am Anfang einer aufregenden Reise, DEINER Reise.

 

Deine Tour – Dein Tempo

 

Und ich muss mein eigenes Tempo finden, in welchem ich losfahre und beginne. Wenn ich mich nur auf meinen Körper konzentriere und meine Mitfahrer fahren lasse, wie sie halt fahren, ohne dass ich mich dadurch beeinflussen lasse, dann komme ich am schnellsten in einen Flow.. da wo alles läuft, da wo meine Beine automatisch und mit immer gleichem Druck aufs Pedal eine Umdrehung nach der anderen hochkurbeln, da wo eine Kurve nach der anderen folgt und die Höhenmeter dahin fliegen.

 

Wenn du im Team arbeitest, dann mach dir klar, dass jeder im Projekt oder Unternehmen auch unterschiedliche Rollen besetzt, die unterschiedliche Fähigkeiten und Können erfordern. Und jeder hat ein anderes Level, von wo aus er startet. Das ist ja völlig normal und auch OK so. Deshalb bringt es auch nichts, sich ständig mit den anderen zu vergleichen und sich dann unzulänglich zu fühlen. Ab und zu kann man ja rüberschauen zum Kollegen und sich inspirieren lassen von seinem Können. Das gibt dann auch ein bisschen Antrieb, damit man selber eine Orientierung für sich hat, wo man mal hin möchte.

 

Nur! Geh in deinem eigenen Tempo vorwärts. Wenn dein(e) Partner oder Kollegen aus deinem Team schneller oder langsamer gehen als du, dann lass sie gehen. Bei regelmäßigen Treffen kann man sich dann immer wieder gegenseitig abgleichen und auf den gleichen Stand bringen.

 

Irgendwann wird es zäh. Das ist halt so.

So nach 800 Höhenmetern merke ich immer, dass ich jetzt mal bald oben sein könnte. Meine Kraft lässt nach, die Beine wollen nicht mehr und über meinen schmerzenden Hintern will ich gar nicht reden. Dann heisst es: Pausenzeiten verlängern, mehr trinken, auch mal kurz zu Fuß weitergehen. Und dann.. ist es geschafft! Wir sind oben! 1300 Höhenmeter liegen hinter mir oder unter mir. Ein herrliches Gefühl und ich kann die nächsten Stunden nicht mehr aufhören zu grinsen.

 

Als Unternehmer wirst du immer wieder an den Punkt kommen, wo du Sachen machen musst, die dich überhaupt nicht befriedigen, weil sie stupide sind und dich auf deiner Lernkurve null voranbringen. Kurzum: Sie nerven einfach nur. Da musst du irgendwie durch, das muss jeder, besonders am Anfang, wenn die finanzielle Situation es nicht zulässt, dass man Leute für solche Aufgaben einfach bezahlen kann.
Tim Ferris, der Autor der 4 hour workweek, empfiehlt unbedingt, dass man sich sobald wie möglich eine persönliche Assistenz sucht, die einem solche Routineaufgaben abnimmt, auch wenn es finanziell erst mal schmerzhaft ist. Im Prinzip sehe ich das auch so.. Denn es ermöglicht dir als Unternehmer, den Kopf für kreative Aufgaben frei zu haben und AN deinem Unternehmen zu arbeiten. Denn das sind die Dinge, die dich und dein Unternehmer ja langfristig weiterbringen.

 

Pausen sind wichtig

Regelmäßige Pausen sind superwichtig, damit man lange Kraft hat und das biken auch den ganzen Tag lang Spaß macht!

 

Auch als Unternehmer musst du dir regelmäßige Ruhezeiten verschaffen und sie auch einhalten, sonst bist du über kurz oder lang erschöpft und ausgebrannt. Und nicht nur in deinem Tag sollten regelmäßige Pausenzeiten sein, du brauchst natürlich auch mal längere Perioden und Urlaub, wo du völlig abschalten kannst und deine kreativen Akkus wieder auflädst.

Und wenn du dann wieder anfängst an deinem Projekt oder Unternehmen zu arbeiten, dann mit 100% Energie und das ist ja genau das, was man geben will. Du musst dir auch immer überlegen, dass du der Motor, der Antrieb deines Unternehmens bist. Und was ist besser für das Unternehmen und auch die Mitarbeiter, Kunden.. einfach für alle? Wenn du 12 Monate lang im zweiten Gang fährst oder wenn du 8 Monate im Jahr Vollgas gibst und die restliche Zeit im Jahr darauf vertraust, dass dieser Anschub ausreicht und deine Mitarbeiter ihre Sache gut und im Sinne des Unternehmens machen?

 

Jetzt geht’s in den Trail

Gut ausgeruht und mit voller Konzentration

 

Blickführung

Von dem Moment an, wo du in den Trail reinfährst, bis zu dem, wo du unten ankommst, hat die Blickführung oberste Priorität. Denn: man fährt immer genau dahin, wo man auch hinschaut. Also muss dein Blick immer in Richtung deines Ziels gerichtet sein.
Auf geraden Stücken sollte dein Blick immer 4-5 Meter vor deinem Bike sein.
Wenn du in eine Kurve reinfährst, dann sollte dein Blick schon aus der Kurve rausschauen, damit du genau auch da hinfährst, sonst schaffst du die Kurve nicht. Niemals sollte dein Blick am Vorderrad kleben!

 

Das ist exakt das gleiche. Richte deinen Blick immer dahin, wo du hinwillst. Du brauchst eine Vision von dem, was du erreichen willst. Simon Sinek hat ein großartiges Buch geschrieben: Start with why.

Was ist dein Warum? Diese Frage oder besser gesagt die Antwort auf diese Frage ist dein Zugpferd, das was dich immer wieder in die richtige Richtung lenkt.

Schau dir gerne diesen sehr inspirierenden TED TALK von Simon Sinek an: https://www.ted.com/talks/simon_sinek_how_great_leaders_inspire_action

 

Und beschäftige dich nicht mit deinem Vorderrad, sondern mit dem was weiter vorne passiert, so wie dein WARUM, die Strategie, die du dafür nutzen kannst und wie du die Mitarbeiter in deinem Unternehmen befähigst, sodass sie von selbst laufen können (Stichwort Selbstorganisation).

 

Theoretisches Wissen hilft nur bedingt

Weder als Mountainbiker noch als Unternehmer hat theoretisches Wissen wirklich viel nutzen. Oder anders ausgedrückt: Du kannst auf beiden Gebieten wirklich viel erreichen, auch ohne viel Wissen. Was wirklich zählt, ist Übung und Vertrauen in dich selbst aufbauen!

Du kannst nicht ohne Übung mit deinem Bike über einen 3m hohen Table springen, auch wenn du viel über Parabelflüge, Geschwindigkeit und Beschleunigung weißt und auch nicht, wenn du 5 Jahre Luft- und Raumfahrttechnik studiert hast.

 

Genausowenig kannst du basierend auf einer Idee einen riesen Masterplan schreiben und dann einen Millionenschweren Kredit von der Bank aufnehmen, ohne vorher mal kleine eigene Projekte und Unternehmen gewuppt zu haben, auch wenn du BWL studiert hast.

Also doch.. Das kann man alles machen, aber dann muss man sich nicht wundern, wenn man im Krankenhaus landet.

Ich habe ja auch BWL studiert und ich höre das Leute immer wieder mal sagen: “ Ja klar, dass dir das leicht fällt, du hast ja auch BWL studiert.“ Das würde ich so auf keinen Fall unterschreiben. Viel wichtiger als ein Studium ist es, dass man eine gewisse Gründer-Mentalität entwickelt, dass man Spaß daran hat Dinge und sich selbst auch auszuprobieren, dass man gnadenlos Feeback sammelt und daraus lernt, dass man sich spielerisch voranwagt und dass man sich selbst auch nicht zu wichtig nimmt und andere um Hilfe bittet, wenn man selbst nicht mehr weiterkommt. Und dazu braucht man kein BWL!

 

Schwierige Passagen im Trail

Steinfelder, große Wurzeln, Stufen.. Manchmal kommen einem solche Stellen auf den ersten Blick unüberwindbar vor, so als ob man das nicht fahren könnte. Wenn man aber kurz anhält und sich die Zeit nimmt, um die gesamte Passage mit dem Auge runterzubrechen in einzelne Abschnitte, findet man oft eine gute Linie hindurch. Einfach das Tempo reduzieren und die schwierigen Sachen links liegen lassen.. Und siehe da, man kommt durch. Geht doch!

Und wenn man dann doch durch die eine oder andere Stelle nur mit Schieben weiterkommt.. so what. Dann ist das halt so. Man braucht ja auch noch Steigerungsmöglichkeiten, an denen man sich bei der nächsten Abfahrt probieren kann.

 

Am Anfang einer Unternehmensgründung aber auch im weiteren Fortschritt gibt es immer wieder Probleme und Herausforderungen, die zu groß und einfach unüberwindbar scheinen. Den Kopf in den Sand stecken, hilft dann nicht viel.. Allerdings, dass was hilft, ist das Problem aus allen Richtungen und Seiten zu betrachten und es in kleinere “Arbeitspakete” aufzuteilen und diese solange runter zu brechen, bis man das Gefühl bekommt, dass man es mit diesem “Plan” hinbekommt.

Wenn das Problem nicht kompliziert sondern komplex ist, dann helfen Mindmaps und kleine Experimente. Da gibt es im Grunde auch unzählige Methoden, um sich dem zu nähern, abhängig natürlich von der Art des Problems.  

 

Bremsen loslassen

In vielen Situationen MUSS man die Bremsen auch loslassen um nicht zu stürzen. Wenn du z.B. über ein Hindernis rollst, einen Stein oder eine große Wurzel, solltest du lieber nicht die Vorderradbremse ziehen, weil du sonst schneller drüber bist als dein bike. Das gleiche gilt, wenn du springst. Dann darfst du nicht mit angezogen Bremsen landen. Das macht man genau einmal. Und auch sonst gibt es Situationen, wo man mit höherem Tempo sicherer fährt. Da muss man einfach seine eigenen Erfahrungen machen und sich auch immer ein bisschen herausfordern und Dinge ausprobieren. Mit der Zeit kann man das dann ganz gut beurteilen.

 

Wenn du merkst, dass es läuft und sich eine Chance nach der anderen ergibt, dann ergreif sie alle, wenn du das von der Zeit und Kapazität schaffst. Nimm den Fuß von der Bremse und freu dich über das, was sich da gerade tut bei dir.

 

Stürzen.. Gehört dazu

Absolut! Wenn du besser werden willst und es dein Wunsch ist, mit der Zeit auch schwierigere Trails sicher zu fahren, dann musst du andere Sachen fahren, als du bisher gefahren bist. Das geht ja gar nicht anders. Und natürlich stürzt man dabei auch mal. Das gehört dazu und genau dazu hast du auch Protektionskleidung und einen Helm.. Dann heißt es: Steh auf, freu dich, dass du um eine Erfahrung reicher bist, klopf dir den Dreck aus den Klamotten und wieder rauf aufs Bike um es gleich nochmal zu probieren. Diejenigen, die liegen bleiben, vielleicht dem Fahrrad oder der Wurzel die Schuld geben und sich selbst bemitleiden, werden nicht besser.

 

Als Unternehmer zu scheitern ist in Deutschland sehr schwierig. Wenn man gescheitert ist, ist man gebrandmarkt auf Ewig. Dann kann man sich eigentlich gleich erschießen, denn man kann nie wieder jemandem unter die Augen treten.

Aha.. dann geh mal in die USA z.B. da ist es geradezu hip, wenn man 1-2 Unternehmen gegen die Wand gefahren hat, dann ist man wer.
Ich betrachte jetzt mal Scheitern nicht als das endgültige Aus einer Firma, sondern denke eher an die vielen kleinen Rückschläge, die auf dem Weg dahin passiert sein müssen und denen man offensichtlich keine Beachtung geschenkt hat.

Man kann im Nachhinein sicher immer die wirtschaftliche Lage oder Mitarbeiter X oder Kunde Y (der nicht gezahlt hat), dafür verantwortlich machen.. Und vielleicht fühlt man sich ja dann auch besser damit – für eine kurze Zeit zumindest. Am Ende ist man aber selber derjenige, der die vielen Male, in denen er Feedback bekommen hat, das dieses oder jenes nicht funktioniert, hätte nutzen können, um den Kurs zu ändern: Zielgruppe ändern, andere Kommunikationskanäle ausprobieren, sich nicht von einem Lieferanten oder Kunden abhängig machen, Mitarbeiter ein- oder ausstellen. Da gibt es tausende Stellschrauben an denen man drehen kann und anhand derer man den Erfolgskurs seines Unternehmens anpassen kann. Man muss es aber tun und darf nicht tatenlos zuschauen.


Ich will damit keineswegs sagen, dass man keine Fehler machen darf. Im Gegenteil, Fehler sind dafür da, dass man aus Ihnen lernt und sich selbst und sein Unternehmen weiterentwickelt. Und wenn man mit diesem Mindset an egal welche Sache rangeht, dann minimiert man das Risiko, dass das komplette Projekt oder Unternehmen den Bach runtergeht..

Und wenn es doch passiert.. Sollte man auch daraus lernen und schnellstmöglich wieder aufstehen und es einfach nochmal versuchen.. Auf eine andere Art und Weise, mit einem anderen Konzept, wie auch immer. Wenn man Unternehmer ist und sein will, dann gehört auch das dazu.

 

Wenn Dinge nicht auf Anhieb klappen

So what.. Dann schieb dein bike wieder rauf vor den Anfang der Stelle, an der es nicht geklappt hat und versuch es nochmal. Solange bis es klappt.

 

Und als Unternehmer? Exakt das gleiche!

 

Am meisten Spaß macht der Trail, wenn er mich herausgefordert hat..

.. und ich mit dem Gefühl unten ankomme, dass ich etwas dazugelernt habe, jetzt mehr kann, als wie ich noch oben stand, insgesamt sicherer bin und die Erfahrung mitnehme, dass ich beim nächsten Mal die Trails mit ähnlichen Schwierigkeitsgraden runterkomme bzw. mich da auch steigern kann.

 

Mit einem Unternehmen ist es da nicht anders. Ich würde von Anfang an schon kein Projekt starten wollen, was mich nicht herausfordert, mich vielleicht sogar langweilt. Ich muss den Reiz spüren und auch manchmal die Angst im Nacken haben, dass es schiefgehen könnte. Das spornt mich an und lässt mich über mich hinauswachsen.. Um dann vielleicht völlig erschöpft aber glücklich anzukommen 🙂


 

Um dir zu helfen, deinen Fokus auf deine Ziele zu richten, und sie mit all deiner Kreativität und Schaffenskraft auch sicher zu erreichen, habe ich ein Journal-Template entwickelt. Das kannst du dir gerne gratis anfordern und täglich damit arbeiten.
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