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„Geld ist Mittel zum Zweck. Wenn es nur noch den Tauschhandel geben würde, wär mir das lieber.“ – Interview mit dem Kite-Instructor und MTB-Guide Josef Würtl

Lieber Josef, wir kennen uns ja erst seit einer Woche, denn ich mache mit meiner Familie hier auf „deinem“ Campingplatz am Lago di Santa Croce in Italien Urlaub.. und eigentlich wollte ich wirklich nur Urlaub machen. Aber diese Gelegenheit, dich kennenzulernen und zu interviewen – jemanden, der am Strand lebt und arbeitet, kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Und so anstrengend wird das bestimmt hier auch nicht werden  😉 Danke schonmal, dass du mir und meinen Lesern des Blogs ein paar interessante Einblicke gewährst.

Liebe Bianka, ja sehr gerne.. und ich bin schon gespannt auf deine Fragen.

Mein erstes Interview übrigens.

Echt? Deins auch 😉 Ja super, dann legen wir mal los!

Was macht Dir an deiner Arbeit besonders viel Spaß? Was gibt Dir so richtig viel Energie?

Das ist eine Kombination aus kiten und den Menschen, mit denen ich arbeite! Ich bin jemand, der sehr gerne Menschen kennenlernt und die Leute, die hierher kommen, sind natürlich alle auch im Urlaub und sind deshalb meistens entspannt und wenn man dafür offen ist – und das bin ich absolut – dann lernt man richtig coole und interessante Menschen kennen.

Ist das dann ein spezieller Schlag Menschen? Gibt es DEN Kiter?

Nein, das sind alle möglichen Leute. Kiten ist so ein „Breitensport“ geworden, weil das Material und die Sicherheit sich so verbessert haben in den letzten Jahren, dass alle möglichen Leute zu mir kommen und das lernen wollen.. vom wissenschaftlichen Mitarbeiter über Ladenbesitzer bis zum Studenten.

Was bietest du denn alles an? Wofür kann man dich buchen?

Alles rund ums kiten. Ich biete Einsteiger- und Fortgeschrittenenkurse zum kiten lernen an. Als Anfänger braucht man etwa 12-14 Stunden, damit man einigermaßen gut fahren kann. Das geht schon recht schnell.
Außerdem habe ich natürlich hier auch Leihmaterial und wenn man sich eigenes Material kaufen will oder auch mal einen zusätzlichen Kite – ich arbeite mit einigen Marken zusammen z.B. Ozone, North, Ion, Liquid Force, nur mal um ein paar zu nennen – dann kann ich das auch besorgen.

Und du reparierst auch. Seit wir hier sind, kümmerst du dich liebevoll um den 15 Jahre alten Kite von Marcel, das ist mein Mann. Der ist nach der langen Zeit im Einsatz an mehreren Ventilen undicht und du kriegst das aber irgendwie wieder hin. Das ist nicht einfach, aber du bist da auch hartnäckig 😉

Ja, das ist ein toller Kite und immer noch tolles Material, obwohl er ja schon alt ist. Das wäre zu schade, den wegzuwerfen.

Und Mountainbike-Guiding bietest du auch an, oder?

Ja genau, das mache ich auch super gerne. Hier in der Nähe gibt es tolle Mountainbike Strecken und Trails, die ich den Leuten gerne zeige. Allerdings habe ich keine Leihräder, die Leute brauchen ihre eigene Bikes.
Das ist aber eh auch eine tolle Kombi für mich mit Kiten und Mountainbiken. Wenn der Wind gut ist, dann gehe ich natürlich immer erst mal raus auf Wasser. Aber es gibt natürlich auch Tage mit wenig Wind und dann gehe ich zum downhill biken.

Du lebst ja dann bis zu 6 Monate im Jahr hier auf dem Campingplatz in deinem eigenen Wohnwagen. Ist das so dein Lifestyle, den du gerne auch lebst?

Ja, ich liebe das hier. Mein Haus, direkt am See, am Ende der Straße. Und ich habe viel Platz und alles was ich brauche.

Was hast du früher gemacht und warum bist du ausgestiegen? Kann man das so nennen?

Naja.. ich würde eher sagen, ich habe endlich gefunden, was ich für mein Leben gerne tue und es war für mich einfach nur konsequent, dass ich dann diesen Weg auch gehe.

Ursprünglich habe ich mal Schlosser gelernt. Das habe ich aber nicht lange gemacht, weil das irgendwie nie meins war: nur wirtschaftlich denken, Massenproduktion und immer Termindruck. Auch einen Chef zu haben, war nicht so einfach für mich. Ich glaube, ich funktioniere besser ohne Chef 😉

Kiten war damals schon ein Hobby von mir und ich habe dann einfach mal die Ausbildung als Kitelehrer gemacht. Das ist eine zertifizierte Ausbildung über den VDWS – Verband Deutscher Wassersport Schulen e.V. und so richtig als selbständiger Kitelehrer angefangen, habe ich mit dem Snowkiten in Österreich. Danach erst bin ich hierhergezogen an den Lago di Santa Groce und habe mir hier alles aufgebaut.

Hast du dich mit der Entscheidung hierher zu ziehen schwergetan? Wenn ja, womit genau?

Für mich war die Entscheidung gar nicht schwer, weil ich zu Hause super aufgefangen würde, wenn ich es bräuchte. Ich hätte eine Wohnung und mein Vater hat ein eigenes Unternehmen, wo ich von heute auf morgen auch einen Job hätte.
Meine Mutter sagt zwar oft: „Magst ned mal was ordentliches machen?“ Aber das meint sie auch nicht so wirklich ernst. Ich bin eins von neun Kindern und vielleicht ist es auch deshalb einfacher „in Deckung zu gehen“. Wenn ich Einzelkind wäre, dann wäre meine Lage und der Druck, die Firma meines Vaters weiterzuführen, sicher anders. Aber so.. bin ich da sehr entspannt und meine Familie auch, denn sie sehen ja alle, dass ich mein Leben lebe und dabei glücklich bin.

Wie gehen deine Freunde damit um? Gibt es da auch welche, die du inspirierst mit deiner Art zu leben?

Meine Freunde finden das super und viele besuchen mich auch. Relativ viele meiner Freunde sind auch selbstständig und ich würde sagen, wir inspirieren und helfen uns gegenseitig. Alle Mitglieder aus meiner Band – ich habe früher Musik gemacht und in einer Band gespielt – sind selbständig und machen ihr eigenes Ding. Meine ganzen Internetsachen z.B. macht mein Gitarrist, weil der einfach gut darin ist und ich darauf überhaupt keinen Bock habe.

Kannst du von deiner Arbeit leben?

Ja, absolut!

Wo trifft man dich im Winter?

Im Winter bin ich Skilehrer in Fieberbrunn in Österreich.

Und noch eine letzte Frage: Welche Bedeutung hat Geld für dich?

Zu Geld habe ich kein besonderes Verhältnis. Ich spare nicht gerne, weil ich das Geld für mich verdiene und nicht für die Bank. Und manchmal habe ich mehr auf dem Konto und manchmal weniger, aber das ist mir relativ egal, weil ich immer so eine Art Grundvertrauen habe, dass ich immer für mich gut leben kann. Geld ist Mittel zum Zweck.. man braucht es ja irgendwie, aber wenn es nur noch den Tauschhandel geben würde, dann wär mir das sicherlich lieber.

Ein schönes letztes Statement. Vielen Dank für deine Zeit und das du uns diese schönen Einblicke in dein Leben geschenkt hast.

Bis nächstes Jahr!

Josef’s Kontakt ist: kite-croce.com

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