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Sozialer Unternehmer oder Vereinsvorstand? Meine ganz persönliche Antwort auf diese Frage..

Ich habe gestern ein Webinar gehalten über die Gründung einer gUG/gGmbH für den Verbund offener Werkstätten und alle Mitglieder und da die meisten offenen Werkstätten in Deutschland als Verein organisiert sind, wurde ich gebeten mich mit der Frage auseinander zu setzen, warum ich eine Gesellschaft/ Unternehmen gegründet habe für mein soziales und umweltpolitisches Anliegen und keinen Verein.

Und mit dieser Frage habe ich mich nun in den letzten Wochen sehr intensiv beschäftigt und versucht, dass was vorher nur ein Bauchgefühl war und sich richtig angefühlt hat, in Worte zu fassen und aufzuschreiben.

Also: warum will ich dann unbedingt Unternehmerin sein und nicht als Vorstand in einem Verein arbeiten? Und mehr noch: Warum fühle ich mich geradezu berufen dazu, eine Lanze für Unternehmer zu brechen und in der Hinsicht ein Vorbild für andere Unternehmer zu sein?

Fünf Punkte, die mir dabei wichtig sind:

Die Zeit im Vorstand ist nur begrenzt. Das ist ein Motivationshindernis.

In einem Verein werden die Vorstände auf Zeit gewählt, das heißt, dass die ganze Arbeit, die man da reinsteckt, auch nur zeitlich wirken kann. Und das heißt auch, man muss damit rechnen, irgendwann wieder abgewählt zu werden.

Damit kann ich dann aber meinen primären Lebensplan nicht auf die Tätigkeit im Verein aufbauen, sondern brauche irgendwelchen anderen Lebenspläne oder Optionen. Ich kann dann nicht alles auf eine Karte setzen und mich da voll reinhängen. Darunter leidet dann nicht nur meine Motivation, sondern auch die Qualität meiner Arbeit.

Das will ich aber. Ich will alles auf eine Karte setzen und mich voll reinhängen in meine Aufgabe. Nur dann habe ich das Gefühl, selbstwirksam zu sein und echte gestalterische Arbeit zu leisten. Ich will mich bei meiner Arbeit primär auf die Kunden und die gesellschaftliche Aufgabe konzentrieren und nicht darauf, dass ich intern wieder gewählt werde, was nicht heißt, dass ich mich mit den internen Strukturen nicht auseinandersetze. Ganz im Gegenteil, das ist einer meiner Tätigkeiten mit denen ich sehr sehr viel Zeit verbringe in meiner Organisation.

Aber eben nicht aus dem Druck heraus gewählt zu werden, sondern weil ich mich gegenüber den Menschen mit denen ich arbeite, verpflichtet fühle und mir die ganze Gemeinschaft, die da entstanden ist, sehr wichtig ist. Und letztendlich muss ich mich mit dem Feedback meiner Mitstreiter oder Mitarbeiter ja doch auseinandersetzen und das will ich auch. Dadurch komme ich ja persönlich auch weiter.

Ich möchte meine eigene Vorstellung von einer funktionierenden Organisationsstruktur etablieren…

..und das geht nur, wenn ich in letzter Instanz die Entscheidung darüber habe, was wie funktionieren kann und soll.

In eigentlich allen meinen Jobs als Angestellte habe ich immer wieder schlechte Erfahrungen gemacht mit Strukturen, Hierarchie, Führung und lähmenden Prozessen. Das hat für mich nicht funktioniert, mich demotiviert und am Ende dazu geführt, dass ich nur noch Dienst nach Vorschrift gemacht habe.. bis ich immer wieder gekündigt habe.. erst innerlich und dann auch offiziell.

Und meine Erkenntnis daraus ist, dass selbst wenn meine Führungskraft und auch seine Führungskraft anders gehandelt hätte.. das hätte alles keine Verbesserung gebracht.

Das System ist falsch, nicht die Menschen darin. Und derjenige,  der die größte Macht hat, das System zu beeinflussen und zu gestalten, in dem die Menschen sich positiv und wirksam wahrnehmen, ist der Unternehmer. Und genau darin sehe ich meine Aufgabe.. Am System und der Kultur zu arbeiten und aktiv dafür zu sorgen, dass die beteiligten Menschen ihre eigenen Ziele erreichen können.

Also habe ich mich von Tag 1 der Gründung bis heute intensiv mit dem Thema Selbstorganisation und wie sie funktionieren kann, auseinandergesetzt. Mein Ziel war und ist, dass sämtliche Strukturen und Prozesse, die geschaffen werden, die Mitarbeiter in die Lage versetzen eigene Entscheidungen zu treffen und so auch selbst die Verantwortung für das Unternehmen zu haben.

Weitere Themen und Fragen, die ich mir so ständig stelle, sind: wie funktioniert intrinsische Motivation bei Menschen? Was braucht es dazu? Wie können Teams kreativ, frei und effektiv arbeiten? Welche Prozesse brauchen wir, müssen wir auch mal verschriftlichen und bei welchen Problemen sollte man auch gar keinen Fall Vorgaben machen, weil das Problem komplex ist und unbedingt kreativ gelöst werden muss? Wie integrieren wir neue Mitarbeiter, ohne dass sie einen Kulturschock bekommen? Welche digitalen Tools verwenden wir?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich ganz viele richtige Entscheidungen diesbezüglich getroffen zu haben und an anderen Tagen scheint irgendwie nichts zu funktionieren.. In jedem Fall ist es aber mein Weg, den ich bei der Gestaltung meines Unternehmens gehe. Das ist es, was mir am Ende wirkliche Zufriedenheit gibt!

Spaß an unternehmerischen Aufgaben und Herausforderungen

Ich liebe den unternehmerischen Teil an meiner Aufgabe! Das war nicht immer so, denn meine Eltern sind beide in angestellten Verhältnissen und mit diesem Mindset bin ich auch aufgewachsen. Trotzdem habe ich schon immer gespürt – und dieses Gefühl wurde immer stärker in den letzten Jahren – dass ich für mich selbst und meine eigenen Ziele arbeiten will, dass ich durchaus Ideen und Gedanken zu einigen grundlegenden Problemen dieser Welt habe, die es wert sind, gehört zu werden und die es vor allem auch wert sind, umgesetzt zu werden.

Das liest sich vielleicht ein bisschen seltsam.. aber ich glaube dass ich ganz gute Fähigkeiten und auch einen starken Willen habe, Probleme zu lösen..

..also warum soll ich darauf warten, dass es andere machen? Das kann ich ja selbst und es macht mir ja zudem auch noch richtig viel Spaß!

..alles was zum Unternehmer sein dazugehört: absolute Kundenorientierung, eine tolle Gemeinschaft von Mitarbeitern, eben die gut funktionierende Organisationsstruktur zu entwickeln, über die ich ja eben schon gesprochen habe usw. Darin wollte und will ich mich unbedingt ausprobieren und mich weiterentwickeln. Dabei wächst nicht nur die Vision des Unternehmens sondern ich wachse auch selbst dabei.

Gewinne erwirtschaften und Gemeinwohlorientierung sind absolut vereinbar

Es spielt natürlich keine Rolle, ob ich die Gesellschaft als Verein oder als GmbH strukturiere. Ein Verein ist ja nicht per se ein Konstrukt, das bessere oder wertvollere Arbeit leistet als eine GmbH. Es ist sogar auch völlig egal, ob ich eine anerkannte Gemeinnützigkeit vom Finanzamt habe. Ich kenne auch Gesellschaften – normale GmbH’s – die einen riesen gesellschaftlichen Mehrwert erbringen mit dem was sie tun. Sie sind einfach nur nicht gemeinnützig und können dann halt auch keine Spenden bekommen. Das ist aber auch schon alles und ändert an ihrem Zweck oder Auftrag gar nichts.

Also was ich damit sagen will ist, dass es nur auf die innere Haltung des Unternehmens ankommt, wie es sich in Relation zu seiner Außenwelt sieht, welche Rolle es in der Gesellschaft und für die Gesellschaft einnehmen möchte und nicht auf die Rechtsform.

Ja, und die Gemeinnützigkeit ermöglicht es dann Spenden zu erhalten, was den Weg hin zu einer Eigenfinanzierung erheblich erleichtert, weil man dann mit den Spenden schneller einen gewissen Grad der Professionalität erreicht und seinen Kunden oder Nutzern schneller einen höheren Wert bieten kann.

Der Grad der Eigenfinanzierung auch ein Gradmesser dafür, wie wirtschaftlich gesund das Unternehmen ist, egal ob soziales Unternehmen oder gewinnorientiertes Unternehmen – siehe dazu auch Geschäftsmodelle sozialer Oganisationen – und es wäre für mich eine furchtbare Vorstellung, eine dauerhafte Finanzierungslücke zu haben und jedes Jahr X Förderanträge schreiben zu müssen. Das würde mich von meiner eigentlichen Arbeit abhalten und ich hätte das Gefühl, ich würde auf der Stelle treten. Und diese Abhängigkeit ist natürlich auch ein Risiko!

Und dass ein Unternehmen seine eigenen Kosten decken kann, ist für mich keine Frage ob das geht, sondern wie es geht. Das ist zum allergrößten Teil reine Kopfsache, im Sinne von.. man muss einfach so lange Dinge ausprobieren und am Konzept feilen, bis das klappt. Ganz nach Günter Faltin: Kopf schlägt Kapital. Das ist ein tolles Buch, kann ich sehr empfehlen.

Dabei würde ich zwar erst mal Personalkosten ausschließen, in letzter Konsequenz gehören die aber natürlich dazu. Nicht die Gewinne.. die sind nicht wichtig. Aber dass die Menschen, die den Hauptteil ihrer Zeit da reinstecken – dass die dann auch davon leben können – das gehört für mich dazu. Weil wenn sie nicht davon leben können, müssen sie sich langfristig einen anderen Job suchen und dann fehlen sie für das Unternehmen.

Und wenn sie nicht ersetzbar sind, dann ist das ein echtes Problem. Deshalb ist der Gewinn für den Unternehmer auch nur Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck.

Für mich sind also unternehmerisches Handeln, Gewinne erwirtschaften und sich gleichzeitig um gesellschaftliche, soziale oder Umweltprobleme zu kümmern keine Dinge, die sich gegenseitig ausschließen. Im Gegenteil, warum sollte jemand, der sich um diese Probleme kümmert und aufgrund seines Konzepts oder seiner eigenen Kreativität dazu in der Lage ist, davon zu leben.. warum sollte der das nicht tun?

So und nun kommt der eigentliche Punkt, warum ich der Meinung bin, dass soziale und gesellschaftliche Probleme auch von Unternehmern gelöst werden müssen:

Was ist der Wert von sozialer Arbeit?

Vielleicht können wir uns auch mal die Frage stellen, warum gemeinnützige und soziale Arbeit von anderen Menschen – also von den Menschen, die eben nicht gemeinnützig arbeiten – größtenteils belächelt wird. Vielleicht ja, weil diese Arbeit größtenteils nicht oder zumindest schlecht bezahlt wird. Dann wird sie ja auch nichts wert sein!

Und vielleicht: wenn es mehr wirtschaftlich orientierte Unternehmen gibt, die gemeinnützig oder gemeinwohlorientiert arbeiten UND deren Unternehmer davon leben können – aufgrund des Business Models oder Konzepts was sie entwickelt haben – dann wird zuerst mal das Ansehen von solchen Unternehmen steigen. Die Arbeit und die Probleme, die gelöst werden, bekommen einen ganz anderen Stellenwert. Und zweitens wird das andere soziale Unternehmer anziehen bzw. mehr Menschen denken in Richtung soziales Unternehmertum, weil sie merken, dass sie damit Geld verdienen können UND sinnvolles für die Welt tun können.. Und schon haben wir eine ganze Menge mehr Leute, die sich um wichtige Probleme kümmern anstatt noch mehr Dinge zu produzieren, die die Welt nicht braucht.

Fazit:


Unternehmer sein, hat für mich ganz klare Vorteile. Man hat als Unternehmer einen riesigen persönlichen gestalterischen Spielraum, muss nichts tun, was andere sich ausgedacht haben, sondern kann seine eigene Vision umsetzen und in die Welt tragen.

Man kann über alles selbst entscheiden – vorausgesetzt man hat sich vorher genügend Gedanken über dieses und jenes gemacht, was man da entscheiden will. Aber dem Unternehmer sind im Grunde keine Grenzen in seiner eigenen Entwicklung gesetzt und auch nicht in der Gestaltung seines Unternehmens und letzten Endes in der Gestaltung seiner Umwelt.

Soziale und gesellschaftliche Probleme zu lösen und das nicht in Form eines Vereins zu machen, sondern mithilfe eines gewinnorientierten Unternehmens, hilft dem Unternehmer sich auf diese Aufgabe voll und ganz zu konzentrieren und davon zu leben und es hilft langfristig unserer Welt, weil vermehrt an der Beseitigung von „echten Problemen“ gearbeitet wird.

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