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Wie ich mich innerlich von meinem Unternehmen distanziere

Viele Menschen, die ein Projekt aufbauen, ein Unternehmen gründen, einen Blog starten, ein Produkt kreieren, kurz: die ihre Idee in die Welt bringen und mit vielen Menschen teilen, identifizieren sich erst mal unglaublich stark mit ihrer Unternehmung. Sie sind nach außen und innen eine Einheit und sind scheinbar untrennbar miteinander verschmolzen.

Wenn es dem Unternehmen gut geht, ein Sponsor gewonnen wurde, heute besonders viele Kunden da waren, am Jahresende viel Gewinn da ist.. dann fühlt man sich gut. Wenn es dem Unternehmen schlecht geht, die Mitarbeiter unmotiviert sind, der Auftrag nicht gekommen ist.. dann fühlt man sich selbst dementsprechend auch schlecht. Man verknüpft seinen eigenen Erfolg oft voll und ganz mit dem Erfolg seines Unternehmens.

Das ist emotional extrem anstrengend und eine Herausforderung, die Unternehmer in viel stärkerem Maße meistern müssen, als Geschäftsführer oder Mitarbeiter.

Ein Unternehmer hat das Projekt oder Unternehmen selbst gegründet, die Idee dazu ist in seinem Kopf geboren, es ist quasi sein Baby. Hier hat er unglaublich viel Mühe und Energie reingesteckt, ist emotional durch viele Hochs und Tiefs gegangen und steckt somit in einer Rolle, die mit sehr viel Verantwortung und commitment einhergeht. Sicher.. er kann seine Anteile verkaufen, vorausgesetzt er findet einen Käufer, und dann kann er sich davon verabschieden, zumindest auf dem Papier.

Ich möchte damit nicht den Unternehmer auf eine andere Stufe stellen, sondern möchte das Problem nur anhand dieser besonderen Rolle verdeutlichen.

Und ich finde diese mentale Einheit auch total verständlich und nachvollziehbar. Der Vergleich mit dem Baby ist da ziemlich treffend, wie ich finde. Wenn mein eigenes Kind etwas tolles vollbracht hat, bin ich mit ihm aus dem Häuschen und wenn ihm jemand weh getan hat, leide ich, als wenn man mir wehgetan hätte.

Und obwohl es nachvollziehbar ist, ist es eben emotional unglaublich anstrengend und wirkt am Ende selbstzerstörerisch. Man ist wie eine Fahne im Wind und das eigene Glück ist abhängig von etwas was man nicht, oder nur in einem gewissen Maß beeinflussen kann. Das gilt für unsere Kinder wie für unsere Unternehmen.

Ein paar Jahre lang hat sich bei mir in meinem Leben quasi alles um mein Unternehmen gedreht und ich habe vergessen zu leben. Aus Angst, dass dem Unternehmen etwas passiert und es mir am Ende dadurch schlecht geht, habe ich irgendwann nur noch gearbeitet und war ein paar Mal auch nahe am Zusammenbruch.

Dann habe ich angefangen, dieses Problem zu beleuchten. Irgendeine Lösung musste es ja geben, denn es gibt sie, die ausgeglichenen und zufriedenen Top Unternehmer, die felsenfest und seelenruhig ihren Weg gehen. Wie machen die das nur?

Ich habe alle möglichen Gedanken hin und hergesponnen, wie ich damit umgehen kann.

  • Jemanden einstellen? Das ging aus finanziellen Gründen nicht
  • Einfach 6 Monate wegfahren und hoffen, dass alles noch da ist, wenn ich wiederkomme? Das ging nicht, weil ich schulpflichtige Kinder habe.
  • Das Unternehmen ganz verlassen? Nein, das wollte ich auch nicht.

Was ist dann die Lösung?

Nach vielen Gesprächen mit anderen Unternehmern und Büchern – teilweise über ganz andere Themen – hatte ich sie auf einmal gefunden. Eine kleine gedankliche Veränderung, eigentlich nur ein Switch im Kopf.. mit einer riesen Wirkung:

Du kannst dein Unternehmen dann emotional auf Abstand halten, wenn du deinen eigenen Selbstwert nicht an den Erfolg oder Misserfolg deines Unternehmens knüpfst.

Das klingt im Grunde einfach, aber was meine ich damit?

Ich meine damit, dass du als Mensch und als Person auf jeden Fall und uneingeschränkt toll, großartig, einzigartig und liebenswert bist, egal wie es deinem Unternehmen geht.

Du hast alles ins Leben gerufen, das allein war eine große Tat. Und du befähigst dein Unternehmen zu wachsen mit der Energie, die du geben kannst, ohne dabei deine eigenen Grenzen zu verletzen. Für alles andere bist du nicht verantwortlich. Wenn Fehler – wo auch immer in deinem Unternehmen passieren – lerne daraus und gut ist. Fehler gehören dazu und müssen gemacht werden, einfach schon deshalb damit du auf deiner eigenen Lernkurve nach oben kommst.

Und wenn du aufgehört hast, dich über dein Projekt zu definieren, dann passiert noch etwas: Du kannst loslassen. Und je mehr du loslassen kannst, desto besser geht es natürlich dir selbst, aber desto besser wird es auch deinem Unternehmen gehen.

Diese Erfahrung habe ich auf jeden Fall gemacht. Statt zu kontrollieren, habe ich auf einmal vertraut. Ich habe einfach darauf vertraut, dass die Mitarbeiter das richtige tun, dass die Prozesse gut funktionieren und wenn nicht, dass die Mitarbeiter sie dann selbst anpassen oder sich irgendwie anders selbst helfen und im Sinne des Unternehmens das richtige tun. Das war natürlich auch ein innerer Prozess und ging nicht von heute auf morgen. Aber es kam ganz automatisch, quasi als natürliche Folge.

Daneben habe ich ein paar ganz konkrete Dinge getan, die auch alle dazu beitragen, dass ich emotional genügend Abstand halten kann. Das möchte ich dir auch gerne als Inspiration mitgeben:

  1. Übernimm nicht die Verantwortung für die Kommunikation über Social Media Kanäle und poste nur, wenn du wirklich Lust auf die Nachricht hast.
  2. Mache regelmäßige Arbeitspausen und auch längere Urlaube, in denen der Computer und Telefon auf jeden Fall aus ist. Das ist vielleicht ein ziemlich dummer Ratschlag, weil das ja eh klar ist. Aber ich sag das hier trotzdem, denn es ist so einfach zu ignorieren. Als Unternehmer bist du die Quelle für deine Mitarbeiter, neue Ideen etc. Das ist eine deiner wichtigsten Aufgaben.. Und diese Quelle muss immer kraftvoll und frisch sprudeln! Nichts ist lähmender für das Unternehmen, als ein ausgebrannter Unternehmer, der sich im Tagesgeschäft verstrickt und dem dann der Weitblick fehlt.
  3. Wann immer Probleme auftreten und du den Impuls verspürst, gleich losrennen zu müssen um Dinge in Ordnung zu bringen, werde dir dessen bewusst und sage dir selbst: Du bist nicht dein Unternehmen! Alles ist gut!
  4. Ich habe auch immer ein paar kleine persönliche Projekte, an denen ich arbeite. Und je nachdem, kann ich für mehr Ausgleich den Fokus auf diese Themen einfach erhöhen. Das mache ich natürlich während der Arbeitszeit, denn ich will ja nicht mehr oder länger arbeiten, sondern die Zeit in der ich arbeite, mit den Themen verbringen, die mir Energie geben.
  5. Ich möchte gern ein zweites oder drittes Unternehmen gründen und bringe das voran, auch nicht um mehr zu arbeiten, sondern um den Fokus nicht auf dem einen Unternehmen zu haben, sondern darauf eine gute Unternehmerin zu sein. Dann arbeite ich nämlich an mir und daran wie ich meine gedanklichen Hürden und Grenzen überwinden kann.
  6. Wenn du noch keinen Namen für dein Unternehmen hast, dann denke mal darüber nach, einen zu wählen, der deine Dienstleistung beschreibt, dein Projekt, Kampagne oder dein Produkt. Das hat sowieso den Vorteil, dass man schon am Namen erkennt, worum es geht. Als Beispiel: wenn du liebe Anna also ein Eltern-Café aufmachen möchtest, dann kannst du es „Playtime“ nennen oder „Latte Mammas“ oder oder.. anstelle von „Anna’s Café“ nennen. Dann ist der Name schonmal Programm und dein Unternehmen ist nach außen hin nicht mit dir persönlich verknüpft. Mit einem „neutralen“ Namen kann man sich dann auch einfacher zurückziehen. Will man sein Unternehmen mal verkaufen, ist das natürlich auch von Vorteil für den Nachfolger.

 

Als Fazit will ich dir diese wichtigen Dinge nochmal sagen:

Dass du als Mensch und als Person immer großartig und wertvoll für diese Welt bist, egal wie erfolgreich dein Unternehmen oder dein Projekt ist und egal was die Leute oder sonst jemand über dein Unternehmen, deinen Blog oder dein Produkt denkt und sagt.. du bist nicht dein Unternehmen!

Dann kommt Loslassen und Vertrauen von selbst und ganz natürlich und du gewinnst nochmal ein Stück emotionale Freiheit. Davon profitiert auch dein Unternehmen.

In diesem Sinne wünsche ich dir, dass du immer die Kraft hast, Quelle zu sein für alles was dich in deinem Unternehmen umgibt.

Wenn du weitere Ideen oder Erfahrungen hast, wie du dir emotionale Distanz schaffst, dann freue ich mich, wenn du mir schreibst.. egal wann du diesen Artikel liest. Für mich bleibt das eine Sache, an der ich immer dran bleiben muss und werde, deshalb bin ich für andere Tipps oder Sichtweisen immer dankbar.

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